
Hamburg, 19. März 2012 – Münzen, Scheine, Kreditkarten, Quittungen und auch mal ein von Hand geschriebener Zettel, ein kleiner Glücksbringer oder ein Foto. So bunt, vielseitig und spannend wie es im eigenen Portemonnaie ausschaut, so präsentierte sich am 17./18. März 2012 die internationale 4. Hanseatic Money Fair im historischen Börsensaal der Handelskammer Hamburg. Wirtschaftssenator a.D. Ian Karan folgte der Einladung des Veranstalters Achim Becker, Inhaber der Emporium Münzhandelsgesellschaft, und eröffnete mit einem Schnitt durch das rote Band Norddeutschlands größte Messe für Sammler, Anleger und Händler von Münzen und Edelmetallen.
Der Türmer aus der Hauptkirche St. Michaelis, Horst Huhn, ließ es sich nicht nehmen, Beethovens „Freude schöner Götterfunke“ zu trompeten - beeindruckend vorgetragen in Türmerkluft vom oberen Bogenfenster herab. An den über 70 numismatischen Ständen mit ihren Münzen, Silbergegenständen, historischen Geldscheinen oder Sammlerzubehör herrschte während der 9. Sinfonie andächtige Stille. „Wir betreten feuertrunken Dein Heiligtum“, so heisst es im Liedertext von Friedrich von Schiller und weiter „Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt“. Nichts passt wohl besser zu Numismatik und Leidenschaft für historische Zusammenhänge als diese allseits bekannte Europahymne. „Gutes Geschäft für meine große Familie der Münzhändler“, wünschte Achim Becker seinen Ausstellern und Besuchern. Und so war es auch: Insgesamt besuchten rund 2.500 Gäste die 4. Hanseatic Money Fair.

Senator a.D. Karan betonte in seinem Grußwort, dass er sich sehr freut über das große Interesse an Hamburg und seiner numismatischen Seite. Er selbst habe als kleiner Junge von der Großmutter eine Kupfermünze der ostasiatisch-holländischen Gesellschaft erhalten, diese jedoch einem Freund „anvertraut“ und dann leider nie wieder gesehen. Anlass für Carl Buhr, Ehrenpräsident des Berufsverbandes des deutschen Münzenfachhandels, eine Idee zu entwickeln. „Ich kenne diese Münze und werde mal die Augen aufhalten, ob ich eine für Sie finde“, sagte der Münzexperte. Diese Münze von der Großmutter habe heute ungefähr einen Wert von 25 Euro, sagte Carl Buhr. Der ideelle Wert hingegen sei unermesslich.
Für Entdecker: Von der 3 Kilo Silbermünze bis zur 10 Mark Goldmünze
An den einzelnen Ständen der Hanseatic Money Fair gab es Vieles zu entdecken: An einem Stand konnten Besucher ihre persönlichen Münzen oder ihren Schmuck kostenfrei schätzen lassen. Firmen verkauften Sammlerzubehör wie Goldmünzen-Tauchbäder, Münzkästen, Kapseln und andere Sammelsysteme. Am Stand von Silberwerte.de fanden sich beeindruckende 1 Kilo Silbermünzen. Der Nennwert dieser Münze lag bei 30 australischen Dollar, der reale Kaufwert bei 920 Euro. Interessant waren am Stand z.B. der Friedenauer Münzstube die Farbmünzen oder die Blister aus Portugal von 2002, in denen Münzen mit einem Nominalwert von 3,88 Euro zusammen gestellt waren. Der gut erhalte Blister kostete 28 Euro - ein echtes Fundstück. Weitere Entdeckung war eine 3 Kilo Silbermünze aus der Mongolei, die Währung darauf nannte sich TOGROG, zu kaufen für 2.700 Euro. Auf der 4. Hanseatic Money Fair gab es zudem zahlreiche numismatischen Raritäten zu sehen wie zum Beispiel eine sehr seltene 10 Mark Goldmünze Wilhelm I., 1878 mit Münzzeichen B (steht für Hannover) - eine Münze aus dem Kaiserreich mit dem heutigen Münzwert von ca. 150.000 Euro.
Messeattraktion war die große Spindelpresse, an der sich jeder Gast seine eigene 14,5 Gramm schwere Zinn/Nickel-Medaille mit einem Motiv vom Preußenkönig Friedrich der Große prägen konnte. „Diese Medaille ist ein wunderschönes Andenken“, betonte Moderator Frank Meyer, bekannt durch den Nachrichtensender n-tv und seine Berichte von der Frankfurter Börse. Er bemerkte scherzhaft, dass das Medaillenprägen heutzutage auch moderner vonstatten geht: „Die EZB drückt einen Knopf, tippt eine Zahl ein, drückt auf Enter - das war es!“ Man merkte Frank Meyer an, dass er großen Spaß hat, die Hanseatic Money Fair als Moderator zu begleiten. Er bereicherte die Messe mit seinen fachmännischen Fragen an die hochkarätigen Referenten, die Uwe Fraust, Leitung Bullionhandel bei Emporium Hamburg, und sein Team eingeladen hatte.

Am letzten Messetag wurde eine Goldmedaille im Wert von 600 Euro geprägt und von Stargast Dirk Müller alias Mr. Dax unter den Messebesuchern verlost. Müllers Referat war eines der meist besuchtesten während der Messe. Dirk Müller sah die Hauptursache der zerfallenden Gemeinschaftswährung in Europas inhomogenen Volkswirtschaften. Bei unterschiedlichen politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen könne eine gemeinsame Währung kein gleiches Wirtschaftswachstum generieren, sagte er. Als Ausweg sei ein sogenannter „Kerneuro“ denkbar, einem Zusammenschluss ähnlich starker Volkswirtschaften. Schwächere Nationen könnten im Gegenzug ihre eigene Währung so weit abwerten, bis die Nachfrage aus dem Ausland zunehme – das lasse die einheimische Wirtschaft wachsen. Wechselkurse würden somit eine Art Pufferfunktion einnehmen, die für eine automatische Stabilität sorgen, sagte Müller.
„Die Eurozone ist das Paradepferd der Stabilität“
Während Senator a.D. Karan, Carl Buhr und Günter Kuhaupt, ehemaliger Direktor der Hamburger Münze, einen Messerundgang absolvierten, trat im ersten Stock der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, an das Rednerpult. Mit Power, Charme und Enthusiasmus sprach der renommierte Finanzexperte über das Thema „Krise und Konjunktur - Marktausblick 2012“. Er band das Publikum mit ein, stellte Fragen - sogar an die Zuhörer in der letzten Reihe - und schaffte eine hervorragende Vortragsatmosphäre. Hellmeyer bestärkte jeden einzelnen darin, an die Eurozone mit einer insgesamt positiven und weiter gesundenden Handels- und Dienstleistungsbilanz zu glauben. „70 Prozent der Exporte des deutschen Mittelstandes allein gehen in die Eurozone. Damit sind wir eng mit der Eurozone verbandelt“, sagte Hellmeyer und motivierte: „Europa ist sehr viel besser aufgestellt, als wir eigentlich glauben. Die Eurozone ist das Paradepferd der Stabilität.“
Der Hamburger Vermögensberater Steffen Krug, Gründer des Instituts Austrian Asset Management, sprach im Anschluss über das Thema „Weltfinanzsystem am Abgrund - An Austrian view: Historische Hintergründe und Ursachen“.
Noch tiefer mit der Geschichte beschäftigte sich danach der Experte für mittelalterliche Münzprägungen Dr. Manfred Mehl. Der erfolgreiche Buchautor sprach über das Thema „Der Umlauf des Magdeburger Geldes im Mittelalter - 10. bis 13. Jahrhundert.“

Besonders großes Publikumsinteresse wurde dem Fachvortrag von Prof. Dr. Hans J. Bocker zuteil. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist sprach über das „Überleben und Leben in der kommenden Megakrise“ und forderte sein Publikum zum Mitdiskutieren auf. Der provokative Titel seines Vortrags führte zu reger Beteiligung. Prof. Bocker prophezeite eine unmittelbar bevorstehende „Mega-Krise“. Das Wirtschaftswachstum sei in sämtlichen Volkswirtschaften eingebrochen, weshalb zahlreiche Notenbanken die Märkte mit frischem Geld hätten fluten müssen. Offizielle Arbeitslosenzahlen wie auch Inflationsraten seien beschönigt, um der Bevölkerung gegenüber eine Verbesserung „vorzutäuschen“ und somit dem bereits eingetroffenen Vertrauensverlust entgegen zu wirken. Als Konsequenz der massiven Geldmengenerhöhung würden z.B. Aktienwerte kurzfristig steigen, doch mittelfristig würden alle Werte, die an Versprechen gebunden seien, einbrechen. Prof. Bocker: „Mit Edelmetallen kann diesem uns bevorstehenden Vermögensbrand entgegen gewirkt werden, da ihr innerer Wert immer erhalten bleibt.“ Da alle Papiergeldwährungen erstmals in der Menschheitsgeschichte keinerlei Deckung hätten, könnten die Preise für Gold und Silber „ins Astronomische“ steigen.
Referent „Silberjunge“ Thorsten Schulte sah Silber vor goldenen Zeiten. Ein geflügelter Spruch lautet: »Silber ist das Gold des kleinen Mannes«. Thorsten Schulte, der Silberexperte Nr. 1 in Deutschland, zeigte sich davon überzeugt, dass Silber in Wahrheit das Gold des klugen Mannes ist. Schulte: „Noch immer steht Gold im Mittelpunkt des Interesses. Zu Unrecht, denn die Chancen von Silberinvestments sind bedeutend größer als die des Goldes.“
Die 5. Hanseatic Money Fair wird im nächsten Jahr am 6. und 7. April 2013 in der Handelskammer Hamburg stattfinden. Um sich gute Plätze zu reservieren, sollten die Aussteller bereits rechtzeitig ihre Teilnahme ankündigen.